Rohkostbewegung:
eine Sekte?
Mitte
letzten Jahres traf ich meinen jüngeren Bruder auf einer Familienfeier.
Fröhlich Trauben kauend berichtete er mir in groben Zügen von
der Rohkost, die sein Leben verändert hatte. Nachdem er jahrelang
unter schlimmstem Sodbrennen gelitten hatte, Unmengen von Säurehemmern
zu seinen täglichen Begleitern gehörten, sei er dieses Problem
auf einfachste Weise binnen Tagen losgeworden.
Ich:
ungläubig.
Außerdem
hatte ich nie Sodbrennen und trotz langer Reise durch
die verschiedensten Ernährungsformen noch nie etwas von Leuten
gehört, die nur noch rohe Lebensmittel essen. Nie mehr Brot?!
- Für mich unvorstellbar! War ich doch stolze Besitzerin einer
Getreidemühle und eines Brotbackautomaten.
Nun,
ich überließ meinen Bruder seinem zweifelhaftem Schicksal,
bis....ja, bis zur nächsten Familienfeier, auf der er kundtat,
daß sich Nachwuchs in seiner Familie einstellen sollte. Auf
meine Frage, wie er denn sein Baby ernähren wolle, ob es auch
nur rohes Essen und kein Brot bekommen sollte, antwortete er: "Ja."
Da
begann ich mich doch zu sorgen .
Ich sah sein Kind das erste Lebensjahr nicht überleben und fragte ihn konkret
nach "Führern oder Gurus" dieser merkwürdigen Bewegung. Das Wort "Sekte" vermied
ich tunlichst. Er lachte nur und ich beschloß, da ich aus einschlägiger Sektenliteratur
wußte, nur durch Wissen die armen Betroffenen aus den Krallen der Sektierern
befreien zu können, mich schlau zu machen. Also rief ich ihn an und fragte
nach Einstiegsliteratur zu diesem Thema. Ich wollte ihn mit seinen eigenen
verschrobenen Argumenten verbal aushebeln.
Mein
Bruder nannte mir das Antikochbuch von Wandmaker und ich las
es sofort, nachdem ich es gekauft hatte.
Nun....schon
nach wenigen Kapiteln merkte ich, wohin der Hase lief - nämlich
bestimmt nie mehr in meinen Kochtopf!
Mein
vollwertumnebelter Verstand begann sich zu lichten. Nach einem
Drittel der Lektüre legte ich das Buch beiseite und wußte,
würde ich es zu Ende lesen, wäre nie mehr etwas, wie es vorher
war.
Ich
las es zu Ende.
Es
klang alles so unglaublich, daß mir nur übrig blieb, es auszuprobieren .
Ich
hielt mich vorher nicht für leidend oder krank, wie ich mich
aber dann veränderte, schon nach wenigen Tagen, war unglaublich.
Die Dauermüdigkeit und Antriebslosigkeit sei normal für mein
Alter, dachte ich. Kreislaufschwäche, na ja, hat man halt hin
und wieder.
All
das war nach kurzer Zeit vorbei. Der Energiezuwachs war immens.
Nach drei Tagen war ich dem Kaffee entwöhnt, der zwecks "Hallo
wach" mehrfach täglich in mich hineinfloß.
Ich
begann, meine zusätzliche Lebenszeit für mich sinnvoll zu nutzen.
Endlich hatte ich Energie genug! Ich
lerne Klavier spielen und lasse mich in die Geheimnisse des
Computers einweihen, lese viele Bücher, ohne durch das nachmittägliche
Verdauungskoma gelähmt zu sein. Was
für ein kleiner Aufwand und was für ein großartiges Ergebnis!
Wenn
ich so vor mich hingrübele....mein Sohn sagt, ich sei ja jetzt
auch in der "Rohkostsekte"....hmm....aus seiner Sicht
hat er irgendwie recht....aber was soll's - mir ging es nie
besser! Ich
danke H.Wandmaker, H.Shelton, P.Bragg, G.Wilz, H.und M.Diamond
u.v.m. Ich
liebe meinen Bruder, weil er mir die Augen geöffnet hat.
Annette
Stege
annette@rohkostfreunde.de
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