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Fleisch zerstört die Welt |
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Ausgabe 33
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Fleisch zerstört
die Welt
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Im Jahr
2003 kamen allein in den USA 10 Milliarden Tiere in den Schlachthäusern um. Das sind pro Tag mehr als 27 Millionen
Tiere, die oft unter qualvollsten Bedingungen ins Jenseits
befördert werden. In nur zwei Tagen werden also allein
in den Vereinigten Staaten so viele Tiere getötet wie
in den alten Bundesländern, sprich in Westdeutschland,
an Menschen leben. Eine erschütternde Zahl. Weltweit sieht
die Situation so aus, dass jährlich sogar mehr als 50
Milliarden Tiere – vor allem Hühner, aber natürlich
auch Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, Enten, Gänse oder
Truthähne – wegen ihres Fleisches dran glauben müssen.
Das macht zehnmal die menschliche Erdbevölkerung. Man
stelle sich die Welt umgekehrt vor, wie es die Tierschutzorganisation
kürzlich auf dem Cover ihres Magazins Animal Times getan
hat: Es zeigt zwei Krokodile, die an der Fleischtheke nach
menschlicher Vorderhaxen (Unterarme), Nasen und Zehen verlangen
(siehe Abbildung auf Seite 2). Gerade einmal etwas länger
als einen Monat könnten die Tiere so einkaufen gehen – und
die Menschheit wäre futsch. Es sei denn, man würde
sie in Massenställe sperren...
In den
50 Milliarden Tieren, die jährlich geschlachtet
werden, sind übrigens nicht die Tiere enthalten, die schon
vor dem Schlachten das Zeitliche segnen, zum Beispiel weil
sie krank (gemacht) oder verletzt wurden, weil sie verdursteten
oder erstickten, und zwar durch die verheerenden Zucht- oder
Transportzustände. In Amerika etwa wird die Zahl der Tiere,
die bereits vor dem Schlachten sterben, auf 11 Prozent aller
Schlachttiere geschätzt – macht also 11 Prozent
von 10 Milliarden, also grob noch mal eine Milliarde Tiere
mehr.
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Das Grausame daran ist aber nicht nur die schier
unvorstellbar hohe Zahl an Tieren, denen der Garaus gemacht
wird für
unseren pervertierten unstillbaren Fleischhunger, der uns letztlich
nur selber qualvolle Krankheiten beschert wie Herzinfarkte,
Krebs oder andere schwere degenerative Zivilisationsgebrechen.
Auch sind es die Bedingungen, unter denen die armen Kreaturen – auch
Mitgeschöpfe genannt – zu leiden haben. Zustände,
die bei näherer Betrachtung einem Horrorszenario gleichen.
Man muss kein „eingefleischter“ Tierschützer
sein, um zu erkennen, dass die Menschheit hier jegliches Gespür
für Anstand verloren hat. Und obwohl Haltung, Aufzucht
und Behandlung in den Tierfabriken in allen Punkten dem Tierschutzgesetz
widersprechen, weil sie den Tieren erhebliches Leid zufügen,
darf trotzdem immer noch weiter gequält werden, um nicht
zu sagen: weiter gefoltert werden.
Dies ist nicht übertrieben formuliert. Jeder Mensch sollte
sich glücklichst schätzen, dass er nicht als Nutztier
auf die Welt gekommen ist. Man stelle sich nur vor, man müsste
sein Leben in einer Besenkammer verbringen, die kaum größer
als man selber ist und in die kein einziger Strahl Tageslicht
eindringt. Der Durchschnittsmensch würde wohl – vollkommen
nachvollziehbar – spätestens nach 20 Minuten halb
bis voll wahnsinnig werden und danach winseln, in die Freiheit
entlassen zu werden. Abermillionen Schweine, die in ihren Besenkammer-engen
Stahlrohrkäfigen ihr Dasein fristen müssen, können
zu ihrem Leidwesen aber nicht winseln – und wenn sie
es tun, dann nützt es ihnen nichts.
Die
(un)menschliche Gier nach Würsten und Koteletts, zu denen die intelligenten
Geschöpfe im wahrsten Sinne des Wortes verwurstet werden,
ist einfach zu groß. Oder nehmen wir eine andere Grausamkeit:
Jährlich werden nach wie vor Millionen männliche
Ferkel in betäubungsfreiem(!) Zustand mit Skalpellen chirurgisch
kastriert werden. Dies geschieht in der Regel zur Vermeidung
des Ebergeruchs im Fleisch, zur Reduktion der Aggressivität
und damit einfacheren Haltung der Mastschweine in der Massentierhaltung.
Jeder Mann, der Currywürste und andere Schweinefleischprodukte
schätzt, möge sich vorstellen, ihm würden mit
einem rasierscharfen Messer in den Hodensack geschnitten und
die Hoden entfernt – alles ohne Betäubung.
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Doch
damit nicht genug. So gehen viele Menschen von der falschen Annahme
aus,
dass die Tiere zumindest
auf gerechte, auf „humane“, sprich schmerzlose Weise
geschlachtet werden. Doch aktuelle Untersuchungen aus den USA belegen
zum Beispiel, dass Millionen von Tieren bei lebendigem Leibe aufgesägt
werden, wenn sie an den Schlachterhaken in den Schlachthallen hängen.
Wie das US-Magazin Orion berichtet: „Amerikas Fleischindustrie
schafft es nicht, ständig die höchsten Schlachtstandards
einzuhalten. Dies allein wegen des Kostendrucks, der dazu führt,
dass die Tiere in Amerika fünfmal so schnell geschlachtet
werden wie etwa in Großbritannien.
Doch
selbst wenn die höchsten
Schlachtstandards eingehalten würden, so würde dies immer
noch nur bedeuten, dass 95 bis 99 Prozent der Tiere betäubt
würden.“ 95 bis 99 Prozent – das mag auf den ersten
Blick viel klingen, doch in Wahrheit heißt dies, dass immer
noch ein bis fünf Prozent der Tiere – und damit viele
Millionen Tiere pro Jahr – bei Bewusstsein und unbetäubt
aufgeschlitzt beziehungsweise aufgesägt werden. Dies ist Realität – die
nur nicht in den Köpfen der Menschen stattfindet, weil keine
Zeitung, kein Fernsehsender darüber berichtet. Das einzige,
was man als Einzelperson gegen diese Grausamkeiten tun kann, ist
also: Vegetarier werden, und am besten Obstrohköstler!
Angefügt sei an dieser Stelle auch noch, dass der so genannte „Humane
Methods of Slaughter Act“, der in den USA für „humanes
Schlachten“ sorgen beziehungsweise für die Einhaltung
der Schlachtstandards sorgen soll (und dabei ganz offenbar versagt),
für Hühner und andere Vögel – die 90 Prozent
der Schlachttiere stellen – gar nicht gilt. Und so werden
die Hühner einfach gefesselt und dann ihre Köpfe und
Oberkörper durch ein elektrisiertes Wasserbad gezogen. Um
die Verzehr-Qualität der Kadaver nicht zu beeinträchtigen,
wird die Volt-Zahl des Wasser“bades“ sehr, ja viel
zu niedrig eingestellt – genau so hoch, dass sich die Vögel
nicht mehr bewegen können. Bei Bewusstsein sind sie dabei
hingegen schon noch. Sie sollen lediglich vom Flattern abgehalten
werden, das ja nur störend wirken würde bei der Schlachtprozedur,
wenn also die Messermaschinen die Tiere am Fließband und über
Kopf hängend an ihren Kehlen aufschlitzen.
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Schon Mahatma Ghandi sagte: „Der moralische
Fortschritt einer Nation kann beurteilt werden anhand der Art und
Weise, wie sie die Tiere behandelt.“ Danach wäre die heutige
zivilisierte Menschheit moralisch am Ende. Denn zu den Schlachtgrausamkeiten
kommt ja noch hinzu, dass der Erdenbürger den Lebensraum der
Tiere in unvorstellbaren Ausmaßen vernichtet. Und zwar zum
Großteil – wie könnte es anders sein – für
die Fleischproduktion. Millionen Hektar Urwälder werden Jahr
für Jahr platt gemacht, um Viehweiden daraus zu machen oder
Sojaplantagen. Das heißt für die Tiere, deren Lebensraum
die Wälder sind – und Regenwälder beheimaten die
größte Vielfalt an Lebewesen –, dass sie direkt
verbrannt werden, mit den abgeholzten Baumriesen in den Tod stürzen
oder mit der Abfackelung der Wälder den Feuertod sterben. 80
Prozent der Regenwälder wurden allein in den vergangenen 30
Jahren weltweit vernichtet. Das muss man sich wirklich mal vergegenwärtigen.
Und es kann sehr gut sein, dass die restlichen 20 Prozent auch nicht
mehr zu retten sind.
Denn der Fleischhunger wächst und wächst und kann praktisch
nur damit gedeckt werden, indem immer mehr Regenwälder abgeholzt
werden, um daraus, wie gesagt, Viehweiden zu machen oder Sojaplantagen.
Das Fleisch dieses Viehs landet dann vornehmlich auf den Tellern
der Reichen, die auf der Nordhalbkugel dieses Planeten in den Konsumgesellschaften
leben. Und das Soja braucht der Wohlstandsbürger auch, um
damit seine Tiere, die er in Massen zusammenpfercht, zu mästen.
Prognosen der Welternährungsorganisation FAO besagen, dass
die weltweite Nachfrage nach Fleisch bis zum Jahr 2020 um mehr
als 80 Prozent zunehmen wird. Das würde annähernd eine
Verdoppelung bedeuten. Sprich: Von heute an gerechnet in 15 Jahren
werden auf dieser Erde rund 100 Milliarden Tiere pro Jahr geschlachtet.
100 Milliarden – doppelt so viel wie heute schon! Die Welt
verkommt so zu einer riesigen Schlachthalle. Zumal man ja auch
noch bedenken muss, dass die Milliarden von Fischen (und Meeressäugern
wie Delfinen), die in den kilometerlangen Schleppnetzen der Fangflotten
verenden, noch nicht eingerechnet sind in diese Zahlen.
Eine solche Wirklichkeit mag man sich gar nicht ausmalen. Doch
wie soll der Fleischhunger gestoppt werden? Allein das aufstrebende
China mit seinen mehr als 1,2 Milliarden Menschen will Wohltandsland
werden. Und da die Menschheit dem größten Irrglauben
aller Zeiten aufgesessen ist, der da heißt, dass die erste
Pflicht des Wohlstandsbürgers ist, sich mit Fleisch und Fisch
voll zu stopfen, so verlangt auch das Reich der Mitte verstärkt
nach Würstchen, Steaks und Fast-Food-Burgern. Doch allein
für jeden „Viertelpfünder“-Hamburger aus
Regenwald-Rindfleisch werden 50 Quadratmeter Land vernichtet – wohlgemerkt:
nur für einen einzigen Burger. Dass es überhaupt noch
(Ur)Wälder gibt, grenzt da geradezu an ein Wunder. Nun, viel
ist ja auch schon weg. Jeder Bissen in einen Hot Dog, jeder Happen
Steak ist also Naturvernichtung pur. Und man mag sich kaum vorstellen,
was unsere Nachkommen von uns halten werden in Anbetracht unseres
zerstörerischen Verhaltens...
Vor allem, wenn ich so an meinem Fenster sitze und den wilden
Tieren wie den Enten so zuschaue, beschleicht mich das Gefühl,
dass die Tiere doch viel schlauer sind und viel mehr Gefühl
haben, als der Durchschnittsmensch denkt. Wussten Sie etwa, dass
nicht nur Menschen, sondern auch Tiere lachen können, wie
ein aktueller Artikel im Wissenschaftsmagazin Science aufzeigt?
Danach wären Emotionen nicht etwas spezifisch Menschliches,
wie von vielen bisher angenommen, sondern könnten sich evolutionsbiologisch
entwickelt haben. So wertete der US-Forscher Jaak Panksepp von
der Bowling Green State University in Ohio verschiedene Arbeiten
aus, aus denen hervorgeht, dass zum Beispiel Ratten, wenn sie spielen,
Zirpgeräusche im Bereich von 50 Kilohertz ausstoßen – was
Fachleuten zufolge bedeutet, dass die Tiere positive Emotionen
ausstoßen.
Dieses
Zirpen konnte Panksepp außerdem bei
den Ratten erzeugen, wenn er und seine Mitarbeiter die Tierchen
kitzelten. Auch führte Panksepp entsprechende Versuche mit
Affen durch und konnte bei diesen ein freudiges Glucksen verursachen.
Neueste Ergebnisse der Hirn- und Tierforschung zeigen also, dass
beim Lachen sehr alte Regionen des Gehirns aktiviert werden – ältere
als solche, die beim Erlernen einer Sprache beziehungsweise beim
Reden angesprochen werden. Und sie offenbaren auch, dass es Formen
von Spiel und Lachen bei Tieren schon lange gab, bevor der Mensch
sein erstes „Haha“ äußerte. Charles Darwin
hatte also demnach auch in Bezug auf Emotionen Recht, als er
darauf hinwies, dass Mensch und Tier enge Verwandte seien.
Doch wie kann man guten Gewissens als „zivilisierter Mensch“ seine
Verwandten aufessen – und dann auch noch 50 Millionen von
ihnen pro Jahr?
Und so haben die Tiere, die zum Fleischverzehr
des Menschen dienen, vorerst gar nichts zu lachen. Eben weil
nach wie vor viel zu viele
Menschen Tiere für eine Art leblose, dumme, gefühlslose
Maschine ansehen. Nicht anders kann das Verhalten der Menschheit
seinen Mitgeschöpfen gegenüber, die er als solche gar
nicht wahrnimmt, erklärt werden. Versetzen wir uns doch mal
in die Rolle der Tiere: Was würden wir von fremden Wesen halten,
die in unsere Dörfer und Städte eindringen, diese zerstören
beziehungsweise in Menschenweiden und Menschenfutter-Felder umwandeln
und uns Menschen millionenfach zum Schlachtaltar führen?
Forstsetzung im nächsten Heft
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